Entscheidungen
- Julia Schmitt

- 23. Juni 2024
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 25. Feb. 2025
Zu einer Zeit, in der das Wünschen noch immer hilft, ist es unabdingbar Dankbarkeit zu zeigen. Nicht im großen Stil, so nach dem Motto: „Danke, liebes Universum für die Erfüllung all meiner Wünsche!“, sondern eher für alles Alltägliche. Für die kleinen Dinge. Für Dinge, die „normal“ sind. Für die Dinge, die manchmal übersehen werden. Vielleicht also zum Beispiel für fließendes, sauberes Leitungswasser. Für das Lächeln des Postboten, für die Möglichkeit sehen zu können. Für das ganz selbstverständliche Greifen nach einem Eisbecher. Für die so gut riechenden Weichspüler. Für eine funktionierende Waschmaschine. Dafür einen Führerschein zu besitzen und auch noch ein Automobil. Für die unfassbar weiche, anschmiegsame Bettwäsche und auch für warmhaltende Wollsocken der Schwiegermutter. Einfach bei einem Facharzt anrufen zu können, bei dem einem die Beschwerden gelindert werden. Dankbarkeit dafür eigene Entscheidungen treffen zu dürfen, eigene Wege zu gehen. Dankbar zu sein in einem Land zu leben, in dem kein Krieg wütet. Dankbarkeit empfinden sich im Lebensmittelgeschäft eine von vielen, vielen verschiedenen Süßigkeiten oder Käsesorten aussuchen zu können. Also eigentlich könnte man für sein ganzes Leben, seinen Alltag, alle Mitmenschen, unsere Überflussgesellschaft, unseren Frieden und unser Sozialsystem dankbar sein, aber wenn man sich nur noch damit den ganzen Tag befasst, würde man vielleicht etwas an Lebensqualität einbüßen, oder zumindest andere Bereiche nicht mehr vollends ausleben können, da man jede Minute damit beschäftigt wäre für alles und jeden dankbar zu sein. Welch ein Dilemma! Vielleicht könnte man damit anfangen das eigene Bewusstsein für die Dankbarkeit zu erkennen und wahrzunehmen und daraus resultierend immer mal wieder hierfür und dafür ein ehrlich gemeintes „Danke“ gen Universum zu schicken. Womit wir dann wieder zum „Wunsch“ kämen.
Synonyme für „Wunsch“ sind laut dem „Lexikon der Synonyme aus der Reihe Wissen Sofort“: Herzensbedürfnis, Wunschtraum, Anliegen, Sehnsucht, Verlangen
Über jedes einzelne dieser Worte könnte ich eine Abhandlung schreiben und wieder mit der Dankbarkeit verknüpfen. Aber an dieser Stelle soll erstmal folgendes reichen: Jeder dieser Begriffe zeigt ganz deutlich, dass es etwas ist, was aus unserem Inneren entsteht. In erster Linie ist ein Wunsch nichts Materielles. Der Inhalt eines Wunsches kann zu etwas Materiellem werden. Aber einen Wunsch kann man nicht kaufen; man kann ihn nicht in Raten abbezahlen, oder sich im Katalog aussuchen. Einen Wunsch kreiert man aus sich selbst heraus. Und an dieser Stelle könnte man auch nochmal ein „Danke schön“ gen Himmel schicken, dass man in der Lage ist, Wünsche zu kreieren und sogar auszusprechen. Pflanzen können das nicht, Tiere (wahrscheinlich) auch nicht. Aber wir – human beings – wir können wünschen. Wir können uns ein anderes Haus wünschen, einen neuen Job, keine Partnerin zu haben, eine Vogelspinne als Haustier zu besitzen. Wir können uns wünschen im Lotto zu gewinnen, oder 20 Kilo weniger auf die Waage zu bringen. Wir können uns wünschen 1,80m anstatt 1,50m zu sein, oder dass es keinen Rassismus, keine Ehrenmorde, keine Verstümmelungen, Vergewaltigungen mehr gibt. Dass unsere Welt sich zu einem Ort entwickelt, an dem Frieden herrscht, kein Neid, keine Missgunst, keine Schadenfreude, kein Ausschlachten von Ressourcen.
Und wenn wir uns etwas gewünscht haben, können wir uns entscheiden, was wir bereit sind für diesen Wunsch zu tun, oder ob wir darauf warten möchten, dass das Universum uns diesen Wunsch abnimmt und erfüllt. So, oder so, liegt es in unserer Entscheidung, ob wir dankbar sind, Wünsche formulieren, oder Veränderungen vornehmen, aber eines sollten wir doch tun (, solange wir es noch aus einigermaßen freien Stücken können): uns entscheiden.
Und so wünsche ich mir: Weltfrieden, keine Hungersnöte, kein wahrloses Abschlachten von sogenannten Nutztieren, keine Gewalt an Menschen, Tieren & der Natur und ein Lottogewinn wäre auch irgendwie ganz cool!
Und so wende ich niemals Gewalt an, verzichte weitestgehend auf Fleisch und schmeiße keine Lebensmittel weg, sondern kaufe nur so viel ein wie ich auch verbrauchen kann. Und ab und an gebe ich einen Lottoschein ab.
Und ich bedanke mich immer mal wieder bei meinen Augen, die mir mit Hilfe einer Brille die Möglichkeit geben zu sehen. Bei mir selbst für Entscheidungen, die ich mal getroffen habe und von denen ich nun immer noch profitiere, oder für Meditationen, die ich mir selbst ausgedacht habe und mir ab und an gönne, oder für „Me Time“, die ich mir geschenkt habe. Ich bedanke mich innerlich bei meinen Online-Yogalehrerinnen. Ich bedanke mich innerlich und äußerlich bei meinen Freundinnen, bei meinem Partner, bei meiner Familie. Ich bedanke mich beim Universum, dass ich zu dieser Zeit an diesem Ort existiere und das Leben leben darf, dass ich gerade ausfülle. Ich bedanke mich für Bücher und die Möglichkeit zu Schreiben. Bedanken tue ich mich auch für meinen Tätowierer. Und ich bedanke mich regelmäßig bei allen Pflanzen, die mir Sauerstoff, Erdung und ein wunderschönes zu Hause schenken. Für meine Wohnung bin ich auch unglaublich dankbar und für Tiramisu!
Und du so?




